Anfang des Jahres hatte ich ganz andere Pläne.
Ich wollte ein weiteres Angebot rund um bewusste Selbstführung mit ChatGPT machen und Anzeigen-Funnel aufbauen für meine neuen kleinen Selbstlernkurse. Ende Februar habe ich dann mal wieder eine meiner Workations gemacht – eine Woche in der Ferienwohnung, nur ich und mein Computer, abseits des Familien-Gewusels im Home-Office – und hatte mir vorgenommen, endlich zu verstehen, was diese „agentische KI“ für Soloselbstständige wie mich tun kann. Und das hat seitdem krass viel bewegt in meinem Business: Zwei öffentliche Webinar, ein Gruppenkurs, ein Selbstlernkurs, ein kostenloser Starterkurs, meine kostenlosen Zukunftskurs-Akademie (deren Kursplattform ebenfalls von Claude erstellt wurde). Das war ein „Wilder Ritt“, passend zu dem „Jahr des Feuerpferds“ bin ich meinen Impulsen gefolgt und es hat sich sehr viel bewegt.
Die Arbeit mit Claude Cowork (und Claude Code, das ist sehr ähnlich) ist wirklich KI-Nutzung auf einem neuen Level! Das sage ich nicht leichtfertig. Wer mir schon länger folgt, weiß: Ich bin nicht der Typ, der jeden Hype mitreitet. Ich nehme oft sogar eher Wind aus den Segeln, wenn jemand zu viel verspricht. Aber wenn ich reflektiere, wie ich in meinem Online-Business vor kurzem noch gearbeitet habe und wie es heute läuft – das ist in der kurzen Zeit ein wirklich großer Unterschied.
In diesem Artikel teile ich, was sich wirklich verändert hat. Fünf Game-Changer und fünf (+1) Tipps, Dinge, die ich beim Umgehen mit dem Tool gelernt habe und an dich weitergeben möchte.
Dieser Artikel basiert auf einer Podcastfolge aus der Online Business Lounge – dem Revival nach drei Jahren Pause. Wenn du lieber hörst als liest:
Kurz zum Kontext: Was ich in diesen vier Monaten eigentlich gemacht habe
Es kommt immer sehr auf die eigenen Tätigkeiten an, wenn man über KI im Business spricht. Mein Kontext war in diesen vier Monaten klar umrissen: Ich habe das Claude Cowork Deep Dive-Programm durchgeführt – ein achtwöchiger Pilotkurs für maximal 40 Teilnehmende, bei dem wir gemeinsam gelernt haben.
Das bedeutete konkret: Kurslektionen erstellen, Zoom-Aufzeichnungen verarbeiten und in den Kursbereich hochladen, Lernvideos schneiden, interne Newsletter an die Teilnehmenden schreiben. Nicht so sehr öffentlicher Content, Social Media oder Webseite. Wer das liest und ähnliche Tätigkeiten hat, wird sich vieles direkt wiedererkennen.
Die 5 Game-Changer – wie sich Claude Cowork von Chatbots unterscheidet

1. Ich teile einen Ordner mit Claude
Das klingt banal. Ist es aber nicht.
Bei ChatGPT hatte ich jahrelang sehr lange Chats, weil ich wusste: Wenn ich einen neuen Chat anfange, verliere ich den Kontext. Gab es Custom GPTs und Memory? Ja, klar. Aber es blieb immer eine Blackbox, was die KI sich da eigentlich über mich merkt.
Jetzt habe ich mit Claude einen gemeinsamen Arbeitsordner. Ich weiß, was da drin liegt. Ich kann die Dokumente selber bearbeiten, jederzeit verändern. Ich kann seinen Kontext sehen und proaktiv mitgestalten.
Branding-Informationen, Business-Kontext, meine Workflows, meine Werte, mein Human Design – alles liegt in diesem Ordner, alles kann Claude wieder und weiterverwendet werden. Und ich behalte die Kontrolle, weil ich selbst sehe, was dort gespeichert ist. Diese Dokumente wachsen dynamisch mit und ich habe unter Kontrolle, was Claude sich genau über mich merkt.
Dieses Gefühl, mit der KI wirklich einen gemeinsamen Arbeitsplatz zu teilen, hatte ich so noch nie – eben einen Coworker, der quasi direkt neben mir sitzt. 😉 Ich kann einfach darum bitten, dass er mir Dinge heraussucht, die wir gemeinsam entwickelt haben und daraus eine Übersicht baut oder dass er sich eine bestimmte Datei als Vorlage für ein neues Dokument nimmt. Er kann mir umfangreiche Ordner-Inhalte sortieren oder umbenennen oder etwas ganz Neues daraus erstellen. Unser Arbeitsordner ist wie unser lebendes, gemeinsames Arbeitsgedächtnis, das gerade bei wiederkehrenden Aufgaben das Arbeiten mit der KI so viel einfacher macht.
2. Mein Rechner kann richtig was! Claude löst vieles lokal.
Ich war vorher immer im Internet oder in einer App. Und plötzlich ist die KI auf meinem Rechner. Sie kann programmieren.
Als ich zum ersten Mal gesagt habe, ich will Videos transkribieren, ich nutze dafür HappyScribe, können wir das verbinden? Hat er gemeint: Ja, kein Problem, führe ich dich durch, lass uns Happscribe per API anbinden. Aber du könntest das auch lokal machen, direkt auf deinem Rechner, schneller und ohne externes Tool – soll ich das für dich einrichten?
Das war mein erster Moment, wo ich verstanden habe: Hier geht etwas ganz anderes. Es gibt Programme – ich nenne sie Developer-Tools –, die bisher nur Programmierer kannten und nutzten. Zum Beispiel: Parakeet oder Whisper für lokale Transkription, FFmpeg für Videobearbeitung, Pillow für Bildbearbeitung. Claude schreibt die Scripte, mein Rechner führt sie aus und ich brauche für viele Arbeitsschritte kein externes Tool mehr. Ich bin total fasziniert, was ich alles mit meinem Mac direkt umsetzen kann – mit meinem Programmierer an meiner Seite.
Und das Beste: Diese kleinen Skripte und Programme bleiben auf meinem Rechner, auch wenn ich Claude Cowork irgendwann nicht mehr nutzen würde. Das sind Assets, die ich behalte.
3. Verbindungen zu anderen Tools und Plattformen
Claude sitzt auf dem Rechner und hat Verbindung nach außen – zu anderen Programmen und Plattformen über sogenannte API- bzw. MCP-Verbindungen oder sogar vorgefertigte Konnektoren.
Ich habe das anfangs ganz anders gemacht: Über den Chrome Browser Connector hatte ich Claude direkt im Browser arbeiten lassen. Er hat YouTube geöffnet, das Transkript gefunden, einen Blogartikel geschrieben, ein Vorschaubild erstellt und in WordPress hochgeladen. Das funktionierte und war interessant, Claude beim Suchen auf der visuellen Oberfläche des Browsers zu beobachten.
Heute weiß ich: Das war ein Umweg! Claude sitzt auf der Coding-Ebene. Heute sage ich: Lad das Transkript von YouTube herunter, baue einen Blogartikel, erstell ein Vorschaubild und setz das in WordPress ein – und Claude macht das alles über Skripte und einmalig eingerichtete Verbindungen. Ohne Browser oder eines der Tools zu öffnen.
Zum Beispiel: Die Verbindung zu Vimeo habe ich einmalig eingerichtet, musste einmal in die Developer-Ecke von Vimeo gehen, Claude hat mir das Skript geschrieben. Jetzt kann ich Videos hoch- und runterladen, Transkripte exportieren, Videos löschen, ohne Vimeo zu öffnen.
Das hat auch meine Sicht auf Software verändert. Wenn ich heute eine Software suche, frage ich als erstes: Gibt es eine öffentliche API-Verbindung (die möglichst nicht nur im höchsten Preisplan verfügbar ist)? Wenn nein, kommt das Tool für mich im Moment nicht in Frage.
4. Flexible Automatisierungen – aka Skills
Jetzt kommen diese Puzzlestücke zusammen.
Ein konkretes Beispiel: Wenn ich eine Zoom-Aufzeichnung habe, soll die mit Zeitmarken, einer guten Zusammenfassung und den Folien als Kurslektion in WordPress landen – und gleichzeitig soll eine kurze Erinnerungsmail als Entwurf in GetResponse angelegt werden.
Das sind viele Schritte. Das Video muss im richtigen Ordner landen. Dann lokale Transkription. Dann Text aufbereiten. Video zu Vimeo hochladen, Einbettungscode zurückbekommen. Das alles in ein vorgestaltetes HTML-Dokument. In WordPress hochladen. Und die Mailvorlage schreiben.
Ich kann diesen ganzen Prozess als Skill definieren – eine Textdatei, die Claude diese Schritte beschreibt, inklusive der Skripte und API-Verbindungen. Und wenn ich heute statt einer Zoom-Aufzeichnung einen Podcast habe? Dann sage ich: Mach das genauso, aber der Newsletter geht an eine andere Liste. Er nimmt Teile des Skills, verwendet sie, und das andere baut er flexibel drumherum.
Das ist der riesige Unterschied zu klassischen Automatisierungen wie Make oder Zapier. Die sind deterministisch – fix und unsexy zu bauen. Mein Business ist flexibel, es ändert sich. Heute Gruppenkurs, morgen vier Workshops. Diese Art von flexibler Automatisierung ist für mich ein echter Gamechanger.
5. WordPress erlebt eine zweite Blüte
Das ist vielleicht der überraschendste Punkt.
Ich hatte jahrelang kaum noch etwas mit WordPress zu tun. Meine Webseite liegt da, aber aktiv war ich dort nicht. Als ich aber für das Programm eine Kursplattform brauchte – möglichst schnell, möglichst günstig, und vor allem so, dass Claude direkt darin arbeiten kann – war WordPress die naheliegende Wahl.
WordPress hat eine sehr gut dokumentierte API-Verbindung, und man kann Claude dort nur Redaktionsrechte geben statt Admin-Rechte. Ich habe Claude beschrieben, was ich brauche: Eine Kursplattform, simpel, ohne schickes Dashboard – Agent First, also gut bedienbar von der KI her.
Seine Antwort: Das Einfachste wäre, ich baue dir ein Kurs-Plugin direkt in WordPress.
Ich habe ein paar Tage drüber nachgedacht, bin dann in Claude Code gewechselt – weil das eine klassische Programmieraufgabe war – und habe mir ein eigenes Plugin bauen lassen. Ist es perfekt? Nein. Hatte es Bugs? Ja, ein paar. Aber es läuft, und der größte Vorteil ist: Claude kann direkt darin arbeiten, Lektionen hochladen, Bilder einfügen, alles über die API.
Das gute alte WordPress erlebt bei mir gerade wirklich eine zweite Blüte.
5+1 Tipps aus der Praxis

1. Bleib Selberdenker:in
Das klingt selbstverständlich. Ist es nicht immer.
Du musst wach bleiben und beobachten, was Claude gerade tut. Gerade wenn er es zum ersten Mal macht, aber auch wenn du dir eigentlich sicher bist, kannst du überrascht werden. Er sucht manchmal an der falschen Stelle, macht Dinge ganz anders als du wolltest.
Mein Tipp: Klappe das kleine Denk-Symbol auf – der Pfeil nach unten, der zeigt, was er sich gerade überlegt. Und wenn er in die falsche Richtung läuft: Stopp-Taste, neu ausrichten. Das quadratische Icon, das erscheint wenn er gerade läuft.
Selber denken, mitdenken, wach bleiben – das ist Tipp Nummer eins.
2. Wenn Dinge schiefgehen – und das werden sie
Die KI irrt sich. Claude beißt sich manchmal an einem Lösungsweg fest, der einfach nicht funktioniert. Das passiert.
Was hilft: Halte inne. Sage ihm: Stopp, lass uns innehalten. Ist das überhaupt der richtige Lösungsansatz? Welche Alternativen gibt es? Und wenn er Informationen braucht, soll er dir sagen, welche – nicht raten.
Gerade bei neuen Prozessen lohnt es sich, vorher zu recherchieren. Nicht alles Claude fragen und seine Antworten für bare Münze nehmen. Manchmal in Gemini oder Google suchen, die relevanten Texte in den Ordner legen, ihm die Information geben. Claude Cowork ist aus mir unerfindlichen Gründen beim Websearch etwas eingeschränkt.
Und wenn das Problem gelöst ist: Was hast du gelernt? Wie halten wir das fest? Das Gelernte kommt in die CLAUDE.md – die Anweisungsdatei, die Claude bei jeder Aufgabe neu liest. Keine Musterlösung, wie die aussehen soll – das ist total individuell. Was er bei dir immer wieder falsch macht, kommt rein.
3. Vertrauen – mit Sicherheitsnetz
Du wirst an Stellen ankommen, wo du als Nicht-Programmiererin nicht genau weißt, was er da gerade tut. Das ist okay. Ein gewisses Maß an Vertrauen ist nötig.
Aber: Wenn er etwas herunterladen will, das du nicht kennst – recherchiere kurz, ob das ein seriöses Tool ist. Und wenn er fragt, ob er Computer Use nutzen darf: Ich sage nein. Das öffnet wirklich alle Türen und durchbricht die Sicherheitsschicht, die Claude Cowork extra einzieht. Er findet immer andere Wege.
Und mach häufiger Backups als früher. Du hast jetzt einen Mitarbeiter, der Fehler machen kann. Nicht böswillig, aber er macht welche. Ich hatte einmal einen Bug im Plugin, der fünf Lektionen leer gesetzt hat. Weil ich Backup hatte, war es eine Minute-Sache, alles wieder hochzuladen. Ohne Backup wäre es ein Problem geworden.
Vertrauen ist gut, Rückhalt ist besser.
4. Wisse, wann du Chat, Cowork und Code nutzt
Das ist ein wichtiger Tipp, der sich erst mit der Zeit erschließt.
Claude Chat ist super für Recherche, für Selbstklärungsgespräche, für alles, was ich auch unterwegs machen will – vom Handy oder Tablet aus. Ich bereite dort manchmal Dokumente vor oder führe die Deep-Talks-Gespräche, die ich für meine Selbstführung nutze.
Claude Cowork nutze ich zu 70–80 Prozent. Ideal für Dokumentenarbeit, leichte Coding-Verbindungen, Skripte, Workflows – genau das, was ich beschrieben habe.
Claude Code nutze ich, wenn ich weiß: Er wird jetzt viele Terminal-Befehle ausführen müssen. In Cowork muss ich diese immer selbst ins Terminal einkopieren – das ist die Sicherheitsschicht. In Code kann er das automatisch ausführen, was für Programmiererfahrene sinnvoll ist. Ich nutze es für echte Programmierprojekte wie das Plugin.
Man wächst da rein. Erst Cowork verstehen, dann irgendwann auch Code ausprobieren.
5. Sprechende Ordner- und Dateinamen
Das war mein größter Fail, ehrlich gesagt.
Ich hatte am Anfang einen Ordner „Lernimpulse“ – und gleichzeitig einen Ordner „Ideen Lerninhalte“. Sehr ähnlich. Claude hat mehrfach den falschen Ordner gefunden, neue Ordner an komischen Stellen angelegt, und ich musste immer wieder aufräumen. Total nervig.
Gib Ordnern und Dateien eindeutige, sprechende Namen. Lass dir dabei ruhig von Claude helfen – es ist euer gemeinsames Arbeitsfeld und muss für beide Seiten verständlich sein.
Und: Keine Sonderzeichen in Dateinamen. Ich hatte eckige Klammern in meinem Hauptordner, damit ich ihn visuell schnell finde. Das führte dazu, dass mehrere Skripte den Pfad nicht mehr erkannt haben und ich eine große Suchaktion starten musste. Der Ärger war vorhersehbar – und vermeidbar.
+1 Frag Claude nicht, was es kann
Das klingt absurd. Ich sag’s trotzdem.
Claude Cowork weiß nicht, wie Claude Cowork funktioniert. Es ist dasselbe LLM, das auch im Chat und in Code sitzt – und es kennt seine eigene Arbeitsoberfläche nicht wirklich. Eine meiner Teilnehmerinnen wollte Dispatch einrichten, die Verbindung zwischen Cowork und dem Handy. Claude hatte keine Ahnung. Eine kurze Suche auf den Anthropic-Hilfeseiten hat sofort die Lösung gebracht.
Für Interface-Fragen, Einstellungen, wie man bestimmte Features findet: direkt recherchieren. Für alles andere ist Claude sehr kompetent – aber seine eigene Oberfläche kennt er nicht.
Was hat es wirklich gebracht?
Ich denke viel stärker in Prozessen. Ich habe Zeit investiert, um Abläufe einzurichten, die mir seitdem viel Zeit sparen. Klassisches Schärfen-Prinzip.
Und ich traue mich an Dinge, die ich mir vorher nie zugetraut hätte. Einen Selbstlernkurs auf der eigenen Plattform betreiben. Den gleichen Inhalt parallel als Gruppenbegleitung und als Selbstlernformat anbieten. Videos schnell aufbereiten, weil Claude beim Grobschnitt hilft. Ich habe das Gefühl, ich habe wirklich ein Betriebssystem für mein Business aufgebaut.
Ich bin auch ehrlich: Es kann überfordernd sein. Durch die Schnelligkeit, die KI hat, wird man auch mehr gefordert – in der Selbstregulation, im Tempo. Und es gibt Leute, die gesagt haben: Das ist mir zu viel Aufwand, diese ganzen Verbindungen einzurichten. Ich beschränke mich auf einzelne Aufgaben.
Das ist vollkommen legitim.
Und es gibt andere, die sagen: Ich könnte mir Arbeiten ohne Cowork nicht mehr vorstellen.
Mir geht es gerade ehrlich gesagt ähnlich.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du neugierig bist, aber noch nicht weißt, wo du anfangen sollst – ich habe einen Claude Cowork Starterkurs in meiner Zukunftskurs-Akademie. Er führt dich durch die ersten Funktionen direkt mit praktischen Übungen und hilft dir, deinen gemeinsamen Arbeitsordner sinnvoll einzurichten. Der Link ist unten in den Kommentaren.
Und wenn du schon mit Claude Cowork (oder einem anderen Agenten) arbeitest: Schreib mir. Was machst du damit? Was klappt, was nicht? Ich bin neugierig – und gerade dabei, mehr solche Formate zu schaffen, wo wir das gemeinsam weiterentwickeln können.
Diese Episode ist der Ausgangspunkt für diesen Artikel – hör gern noch in den ganzen Podcast rein.


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