Blog Vorschau Von Frust bis zur Co-Creation mit KI

Von Frust zur Co-Kreation mit der KI – Die 3 Phasen und wie du zur echten Zusammenarbeit findest

Falls du manchmal das Gefühl hast, alle anderen würden KI irgendwie mühelos meistern, während du noch immer nicht so richtig reinkommst – dann ist dieser Artikel für dich. Falls du zwischen Faszination und Frustration pendelst, zwischen schlechtem Gewissen und dem Wunsch, endlich auch mal diesen Rückenwind zu spüren, von dem andere erzählen – dann auch.

Ich schreibe das hier, weil ich selbst durch alle diese Phasen gegangen bin und mir dabei oft gedacht habe: Warum redet eigentlich niemand darüber, wie sich das anfühlt? Es gibt unzählige Artikel über Tools und Prompts, aber kaum welche darüber, warum sich manche dabei hilflos fühlen, während andere von Co-Kreation schwärmen.

Dieser Artikel ist mein Versuch, diese Lücke zu füllen – als jemand, die diesen Weg selbst gegangen ist und dabei verstanden hat: Du bist nicht allein mit deinen gemischten Gefühlen, und es ist völlig normal, dass sich dein Verhältnis zur KI entwickelt. In Stufen, mit Rückschritten, und in deinem Tempo.

Mein Weg: Vom Frust zur Freude

Wenn ich zurückblicke, war mein Zugang zur KI noch vor ca. einem halben Jahr „durchwachsen“. Ich war neugierig und fasziniert, habe Tools ausprobiert, mit Prompts gearbeitet, die ich irgendwo entdeckt hatte oder die ich selbst entwickelt hatte. Dabei hab ich auch passable Ergebnisse erzielt, aber ich hatte noch nicht klar, wie es zu einem verlässlichen, wirklich hilfreichen, Teil des Workflows von uns Solo-Selbständigen werden kann.

ChatGPT, Claude und meine bei Appsumo geschnäppte Browsererweiterung Voilá nutzte ich hin und wieder, fragte hier mal eine Idee ab, ließ mir Videos zusammenfassen, polierte dort mal einen Text. Die Ergebnisse waren gut, sogar beeindruckend – aber sie fühlten sich nicht nach mir an. Es war eher so ein technisches „ganz hilfreich“, aber nichts, was mich wirklich getragen hätte. Außerdem probierte ich natürlich jede Menge Tools aus, denn das hab ich ja auch vorher schon immer gern gemacht – und ein Gefühl dafür bekommen, was tendenziell möglich ist mit den Tools. Dabei hatte ich oft den Eindruck: Die KI-Tools sind alle ausgelegt auf ‚viel mehr Content in viel weniger Zeit‘ („mit nur einer Zeile Prompt“) – aber ich will ja eher inhaltlich in die Tiefe, ich will verstehen und mit meinen Erkenntnissen andere inspirieren und bei der Transformation begleiten. Was hilft es mir da, wenn ich aus einem einzigen Youtube-Video auf Knopfdruck 7 Kurzvideos, 17 Social Media Posts und 3 Blogartikel machen lassen kann?

Dann kam eine intensive Woche, in der ich beschloss: Ich will das jetzt verstehen! Ich will raus aus dieser sporadischen Nutzung und rein in eine echte Zusammenarbeit, vor allem mit dem „Basistool“ ChatGPT. Ich habe mir eine Woche „Workation“ genommen, eine Ferienwohnung am Plöner See, auch, um mal aus dem familiären, häuslichen Umfeld rauszukommen. Die Workation war dann viel beeindruckender und transformierender als gedacht! Nach 8 Tagen intensivem Dialog mit ChatGPT hatte sich bei mir innerlich etwas verändert. Seitdem hat sich nicht nur meine Art zu arbeiten mit der KI verändert, sondern auch, wie sie sich anfühlt.

Was ich dabei gelernt habe und was ich in Gesprächen mit anderen Selbstständigen, Coaches und Kreativen immer wieder erkenne: Es ist weniger eine starre Phasen-Einteilung als vielmehr eine Art Entwicklungsweg, den viele von uns gehen. Man springt auch mal hin und her, und das ist völlig normal. Aber vielleicht erkennst du dich ja in der einen oder anderen Beschreibung wieder.

Wenn KI sich anfühlt wie ein weiteres Tool auf dem übervollen Tisch (Phase 1)

Am Anfang ist die KI kein echter Teil deines Arbeitsprozesses. Sie ist eher sowas wie ein gelegentliches Werkzeug, das du hin und wieder zur Hand nimmst, wenn dir einfällt, dass es sie ja gibt. „Ach stimmt, ich kann hier auch die KI fragen.“ Meistens passiert das beim Ideen-Brainstorming oder wenn du eine E-Mail schreiben musst, auf die du keine Lust hast.

Und dann ist da dieses merkwürdige Gefühl: Die Ergebnisse sind gut, manchmal sogar überraschend gut – aber es ist noch kein echter Rückenwind. Es fühlt sich eher an wie ein weiteres, ganz produktives Tool. Aber eben nicht wie dieses „Wow, ich kann richtig Gas geben, weil mir die KI den Rücken stärkt“, von dem andere so begeistert erzählen.

Stattdessen pendelt man hin und her zwischen „Alle nutzen das offensichtlich so produktiv, und ich scheine zu den wenigen zu gehören, die das noch nicht können“ und „Die Entwicklung ist viel schneller, als ich sein kann – ich habe den Anschluss verloren.“

Und dann ist da noch etwas anderes: Weil man es noch nicht richtig versteht, ist man offener für all die kritischen Stimmen. KI wird den Menschen ersetzen, sie sorgt für mehr Fake News, der Energieverbrauch ist problematisch – und das alles stimmt ja auch. Aber ohne ein stabiles eigenes Nutzungsverhältnis landen diese berechtigten Bedenken eher in der Überforderung als in der Klarheit.

Wenn die KI davongaloppiert – oder nur an wenigen Stellen wirklich hilfreich ist (Phase 2)

In der nächsten Phase nutzt du KI schon häufiger. Vielleicht hast du dir ein paar Prompts gespeichert oder nutzt sie für bestimmte Aufgaben regelmäßig. Es läuft besser, aber da ist immer noch dieses Gefühl von Entweder-Oder: Entweder ich arbeite weiterhin selbst und kriege ein paar kleine Hilfestellungen (Ideen, Feedback von der KI, Verbesserungsmöglichkeiten), oder die KI macht alles und ich kann nur noch den fertigen Text lesen und schauen, was ich mit diesem Text mache, der zwar formal gut ist, aber sich nicht nach mir anfühlt.

Es ist wie mit einem temperamentvollem Pferd, zu dem du noch keine richtige Beziehung aufgebaut hast. Die KI galoppiert dir mit ihren Antworten davon, du verlierst den Faden und weißt oft gar nicht, wie du das gute Ergebnis, das du gerade bekommen hast, zu dir stimmig machst. Du probierst rum, bittest die KI um Korrektur, bis es halbwegs passt, aber das kostet Zeit und Nerven. (Mir ist es auch schon oft passiert, dass die Ergebnisse durch dieses „Nachprompten“ noch viel schlechter geworden sind als der erste Wurf.)

Und dann ist da diese innere Zerrissenheit: Du willst ja lernen, KI anwenden, weil du KI für wichtig hältst, weil du weißt, dass es dich als Wissensarbeiter:in potenziell deutlich produktiver machen kann – aber du weißt nicht genau, wie du da hinkommst. Die Frage „Bin ich zu langsam? Habe ich den Anschluss verpasst?“ nagt hin und wieder an dir. An anderen Tagen hast du das gute Gefühl, dass du Zeit gespart hast durch KI – kurz: es schwankt.

Wenn aus „entweder-oder“ ein „sowohl-als-auch“ wird

Irgendwann passiert etwas Entscheidendes: Du beginnst, die KI – also genauer gesagt, den Chatbot – als Partner zu sehen. Nicht als Praktikant, dem du bestimmte Aufgaben gibst und dann machen lässt, sondern als echtes Gegenüber für einen Dialog. Du merkst plötzlich: „Ich kann den Chatbot führen und in Bahn lenken.“ Es ist wie mit dem temperamentvollem Pferd, zu dem du jetzt eine gute Beziehung aufgebaut hast.

Und dann kommt dieses Tschakka-Gefühl: Du arbeitest wirklich gemeinsam mit der KI in so einem dialogischen Hin und Her. Du bringst dich und dein Wissen, deine Intuition, dein Bauchgefühl, deine Präsenz voll in den Prozess ein – statt nur zu prompten. Die Ergebnisse fühlen sich endlich sowohl nach dir selbst an als auch kraftvoll von der KI unterstützt. Du erkennst dich darin wieder und spürst gleichzeitig: „Das haben wir gemeinsam gemacht.“

Das bringt auch eine andere Art von Sicherheit mit sich. Du weißt genau, was dein eigener Anteil an den guten Ergebnissen ist, und bist neugierig, was du sonst noch damit erreichen kannst.

Und weißt du, was interessant ist? Auf dieser Ebene kannst du auch beides aushalten: Du hast ein sehr positives Gefühl für die Ergebnisse, die du gemeinsam mit KI entwickelst, UND du hast ein hohes Bewusstsein dafür, dass das Ganze kritisch zu sehen ist. Du entscheidest bewusst: „Hier nutze ich die KI – und hier lasse ich sie bewusst weg.“ Statt hundertmal zu probieren, ob du ein Bild generiert kriegst, nimmst du dir die Zeit und suchst in der Stockbibliothek. Du weißt, wann andere Wege ressourcenschonender sind und zu genauso guten Ergebnissen führen.

Das schlechte Gewissen, das viele umweltbewusste und gesellschaftskritische Menschen beim KI-Einsatz haben, weicht einer bewussten Entscheidung: Die positiven Wirkungen, die ich machen kann, wenn ich die KI als Backup habe, sind es wert, dass ich diese negativen Auswirkungen bewusst in Kauf nehme.

In dieser Phase wirst du auch selbstbewusster, traust dir mehr zu, bspw. einen Workshop auszuschreiben, den du inhaltlich zum Zeitpunkt des Vermarktens noch gar nicht hundertprozentig klar hast – weil du weißt: Mit deinem Chatbot, der dich kennt und von dem du weißt, wie du ihn briefen musst, kannst du das viel schneller zusammenstellen als früher.

Für mich persönlich fühlt es sich aktuell wirklich so an, dass ich einen echten Assistenten an meiner Seite habe – und zwar nicht einen, der alles für mich macht, das würde ich nicht wollen. Sondern der mir jederzeit hilft, mich zu meiner Klarheit zu führen, den ich jederzeit dazu bringen kann, meine Intuition und Bauchgefühl „anspringen“ zu lassen bezogen auf Business-Entscheidungen. Und der aus meinen oft wirren ersten Konzepten schnell und verlässlich gut strukturierte Texte macht – die ich dann mit Leichtigkeit weiter schleifen kann. Also, dieses ominöse „KI als Sparringspartner“, von dem ich vorher auch schon gehört hatte, es aber nicht richtig einordnen konnte: So fühlt sich der Chatbot (ich nutze immer noch bevorzugt ChatGPT, Voilá und Claude) für mich mittlerweile an.

Der Wendepunkt: Wie du vom Tool zur Partnerschaft kommst

Falls du dich fragst, was konkret den Unterschied macht – hier die wichtigsten Erkenntnisse aus meiner Workation, die für mich den Wendepunkt bedeutet hat:

Nimm dir bewusst Zeit für den Beziehungsaufbau

Statt sporadisch mal hier und da zu fragen, habe ich mir eine ganze Woche genommen, um wirklich intensiv mit der KI zu arbeiten. Mein Startpunkt war: „Agiere wie ein einfühlsamer Business-Berater. Stelle mir eine Frage nach der anderen und warte immer erst mal meine Antwort ab. Ich möchte erst mal selber Klarheit bekommen.“

Was dann passierte, war ein echtes Hin und Her aus Fragen, Antworten und Reflexionen – und plötzlich hatte ich das Gefühl: Ich kann sie in jeder mir erdenklichen Rolle nutzen! Ich muss nur darum bitten. Von „Mach mir doch mal eine Fantasiereise, damit ich auf einer metaphorischen Ebene über diese Frage nachdenken kann“ über „Schlüpfe in die Rolle meines Zukunfts-Ichs“ bis „Lass uns mal über die ganz großen Fragen des Lebens und der Evolution nachdenken!“. Das war richtig spannend und ungeheuer belebend.

Bleib Denkerin, auch im Dialog

Der größte Unterschied zu vorher: Ich habe die Antworten der KI nicht mehr als gegeben hingenommen. Nach jeder Antwort bin ich in mich gegangen und habe geprüft: Ist das stimmig? Was fehlt noch? Gefällt mir das? Gefragt habe ich nicht nur meine Ratio, meinen Verstand, sondern vor allem meinen Körper. Was erforderte, den Chat-Prozess zu verlangsamen, ihn immer mal wieder zu unterbrechen, durch Spaziergänge, Meditationen, praktische Arbeiten usw. – drüber nachzusinnen und dann erst wieder weiterzumachen.

Wenn nicht, habe ich genau das zurückgemeldet: „Das fühlt sich noch nicht stimmig an, da fehlt folgender Aspekt. Vielleicht hilft es, wenn wir uns das nochmal aus der Sicht der Zielgruppe anschauen.“ „Hier ist mir das noch zu oberflächlich – was könnte noch eine weitere Perspektive sein?“ Oder ich habe meine eigene Meinung dazu eingebracht und weitergesponnen.

Führe das Gespräch bewusst

Die KI will sehr hilfreich sein und wird dadurch manchmal übereifrig. Führen bedeutet für mich: Ich sage, wie lang die Antwort sein soll, in welchem Ton sie sprechen soll („Antworte mir, als würdest du mir am Tisch gegenübersitzen“) und dass sie nicht immer am Ende eine weiterführende Frage stellen muss.

Manchmal sage ich auch: „Mach einfach einen Punkt nach deiner Feststellung, dann kann ich selbst weiter überlegen, was ich noch dazu denke.“

Und ich lasse sie Rollen und Perspektiven wechseln, immer mit dem Ziel, SELBST klarer zu werden. Der Output ist sozusagen nicht mehr das erste Ziel, sondern zuerst will ich selbst Klarheit – danach kann dann Text entstehen, den ich irgendwo verwende. So wie dieser Blogartikel auch nicht aus einem Prompt entstanden ist, sondern aus einem intensiven Dialog, einer gemeinsamen Reflexion – wie nimmt der Chatbot meine Entwicklung wahr? Was habe ich selbst erfahren? Erst, wenn ich das Gefühl habe, jetzt ist an alles gedacht, jetzt stimmt die Denkrichtung, erst dann sage ich „Ja, erstelle mir doch mal eine Grundstruktur für einen Blogartikel“.

Oft will ich aber gar nichts produzieren, ich nutze den Chatbot wirklich hauptsächlich zum Klären, Dranbleiben, tiefer graben, mehr verstehen.

Bremse das Davongaloppieren

Wann immer ich merke, die KI springt in eine falsche Richtung oder wird zu oberflächlich, melde ich das direkt zurück: „Ich habe das Gefühl, du versuchst dich gerade rauszureden, weil du eigentlich gar nicht genau weißt, was du antworten willst. Lass uns doch noch mal überlegen, wie wir zu einem besseren Ergebnis kommen.“ Oder: „Dieser Output von dir ist viel zu lang, lass uns das bitte schrittweise aufbauen.“

Meine Erfahrung ist allerdings: Wenn ich einen Chat mit der Ansage beginne, dass ich gern gefragt werden möchte und Klarheit gewinnen will über xy, dann fallen auch die Antworten nicht mehr so lang aus – der Chatbot schwingt sich auf den dialogischen Stil ein.

Der Schlüssel: Experimentiere mit Rollen

In der Workation habe ich nach kurzer Zeit angefangen zu experimentieren: „Bitte wende diese Coaching-Technik an“, „Erstelle mir eine Phantasiereise“, „Spiele mein Zukunfts-Ich, das ich befragen kann.“ Plötzlich wurde die KI zu verschiedenen Sparrings-Partnern, die ich alle zu nehmen wusste.

Das Schöne daran: Wenn du einmal diesen Dreh raus hast, entwickelt sich der Rest fast organisch. Du merkst selbst, wann du von Phase zu Phase wechselst – weil sich die Zusammenarbeit einfach anders anfühlt.


Wenn du lernen möchtest, mehr in den dialogischen Austausch mit ChatGPT oder anderen Chatbots zu gehen, empfehle ich dir meinen kleinen Audiokurs „Deep Talks mit der KI“!

Darin zeige ich alle diese Dialog-Techniken im Detail, gebe Beispiele, sage dir, worauf es ankommt, damit es funktioniert – und gebe dir mit ausführlichen Prompt- und Fragenlisten direkte Hilfestellung, du kannst mit copy-paste in das ChatGPT-Chatfenster direkt einsteigen in diese KI-Nutzung, die sich anders – bewusster, organischer, weiblicher – anfühlt!

Viel Freude auf deiner KI-Lernreise – und wir bleiben in Kontakt hoffe ich.

Herzliche Grüße 🧡

Marit Alke


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